Qualitätsbegriffe - Operationalisierbarkeit von Studienqualität
Der Gegenstand Studienqualität kann durch die Einbeziehung heterogener Einflussfaktoren operationalisiert und für eine - auch kritische - Reflexion nutzbar gemacht werden.
Hierbei stehen folgende Perspektiven im Zentrum der Fachtagung:
- Die Rolle der Hochschul-IT bei der Verbesserung der Studienqualität
- Beiträge der Hochschulentwicklung zur Verbesserung der Studienqualität
- Ausreichende Finanzierung als Grundlage für Erhalt und Steigerung des Qualitätsniveaus
- Qualitätsfaktoren in Lehre und Studium
Studienqualität und Hochschul-IT
Wachsende Komplexität in Verwaltung und Studienorganisation lässt Hochschul-IT allmählich zur notwendigen Bedingung für die möglichst effiziente Ausführung der Supportprozesse werden. Obwohl sie für die meisten Akteursgruppen vorwiegend im Hintergrund ablaufen, tragen Hochschul-IT-Systeme maßgeblich zum Erhalt und Ausbau eines Qualitätsniveaus bei:
- Webbasierte Systeme stellen einen Faktor für hohe Studienqualität dar, da sie für alle Akteure den zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf benötigte Dienste ermöglichen. Administrative Aufgaben, z.B. eine Rückmeldung oder eine Anmeldung zu einer Prüfung, können so flexibler und rascher durchgeführt werden.
- In Folge der Entlastung der Hochschulmitarbeiter/innen von administrativen Aufgaben kann Hochschul-IT dazu beitragen, dass freigewordene Kapazitäten für eine qualifizierte Beratung und Betreuung der Studierenden umgewidmet werden können und die Qualität der Betreuung steigt.
- Die Hochschulleitung erhält durch sogenannte Business Intelligence-Werkzeuge die Möglichkeit, die in den Systemen vorhandenen Daten zu analysieren und damit objektiv begründbare strategische Entscheidungen zu fällen, mit denen die Rahmenbedingungen einer steigenden Studienqualität gelegt werden können.
- E-Learning-Methoden bieten sich zum einen als Ergänzung der Präsenzlehre an, die zur Qualität des Studiums beiträgt, zum anderen lassen sie sich als Element eines Wandels zu IT-gestützten und vernetzten Formen des Lernens auffassen, der gleichermaßen zu einer neuen Qualität des Studierens führt.
Studienqualität und Hochschulentwicklung
Ein konstitutives Element von Studienqualität, das Studierende allzu gut kennen dürften, ist die Quantität und Qualität der an einer Hochschule vorhandenen Ressourcen:
- Kapazitätsberechnungen und Maßnahmen zur Modernisierung und Weiterentwicklung der Infrastruktur einer Hochschule können wertvolle Beiträge zur Verbesserung der Studienqualität leisten.
- Reorganisationen von studienumrahmenden Supportprozessen können sich positiv auf die Qualität des Studiums auswirken, solange die Balance zwischen Effizienz- und Qualitätsaspekten gewahrt bleibt, die nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung zeigen. Hierbei stellt sich die Schwierigkeit, festzustellen, wie weit eine bestimmte Qualität auch mit einer bestimmten Ausstattung oder mit einem bestimmten Supportprozess zusammenhängt, wobei unmittelbare Kausalbeziehungen nur schwer zu dokumentieren sind.
Studienqualität und Hochschulfinanzierung
Der Bezug von Hochschulfinanzierung und Studienqualität lässt sich im Wesentlichen aus zwei Perspektiven behandeln:
- Ausreichende Finanzierung der Hochschulen als Voraussetzung für eine hohe Qualität in Studium und Lehre: Zentral ist in diesem Zusammenhang die Erschließung neuer Einnahmen seitens der Hochschulen zur Verbesserung der Lehrbedingungen durch Studienbeiträge oder durch Exzellenzinitiativen für die Lehre.
- Implementierung eines wettbewerblichen Anreizrahmens durch finanzielle Anreize für eine möglichst hohe Qualität und Quantität von Hochschulleistungen: Hier wären etwa vertragliche Formen der Hochschulsteuerung (Zielvereinbarungen) oder indikatorgestützte Finanzierungsverfahren zu nennen. Die Frage nach dem Erfolg dieser Instrumente betrifft sowohl die Steuerungsebene Land-Hochschulen, etwa in Fragen der Mittelverteilung, als auch die Ebene der hochschulinternen Steuerung und tangiert neue Diskussionen über die Finanzierung der Studienplätze zwischen den Ländern (Stichwort: Geld folgt Studierenden).
Studienqualität in Lehre und Studium
Die Studienstrukturreformen verfolgen das Ziel, die Studienqualität in den Bachelor-Studiengängen zu erhöhen. Damit rückt die Frage nach der Messbarkeit von Qualität in Studium und Lehre in den Vordergrund:
- Mit der neuen Konstruktion der Lehre steigt die nötige Betreuungsintensität und damit die Relevanz erfolgreicher Kommunikations- und Interaktionsformen für die Qualität des Studiums. Welche Anteile können und müssen hier künftig über neue Lernformen wie E-Learning oder über die vermehrte Einrichtung von Lernzentren abgedeckt werden, um den Absolventenoutput ohne Verluste in der Ausbildungsqualität zu erhöhen?
- Die Qualität der Studieninhalte bemisst sich z.B. am fachlich-didaktischen Niveau und dem Engagement der Lehrenden hinsichtlich der Ziele des Einübens von wissenschaftlichem Denken und Arbeiten oder an ihrer Betreuung und Beratung. Diese Faktoren stellen letztlich Ausprägungen bekannter objektiver Indikatoren dar: Studiendauer, Studienerfolg, Abbruch- und Schwundquoten, Berufserfolg und Beschäftigungsfähigkeit.
- Ein weiteres Merkmal für Studienqualität betrifft die allgemeine Studierbarkeit. Hochschulen verfügen über ein System der Evaluation und des Qualitätsmanagements, das die dauernde Überprüfung dieser Faktoren ermöglicht. Hohen Ansprüchen des Bologna-Prozesses stehen dabei die Heterogenität der Studierenden ("diversity") sowie die Frage nach der Vereinbarkeit von Studium und Familie/Beruf gegenüber.




